• Wohneigentum: Investitions- oder Konsumgut?

Wohneigentum: Investitions- oder Konsumgut?

27.05.2021 ALEXANDER HECK, MSc Economics Ökonom Volkswirtschaft und Immobilienmarkt beim HEV Schweiz

Immobilienmarkt – Aktuell beschäftigen sich viele Immobilienexperten mit dem Thema, ob Wohneigentum als Investitionsgut oder als Konsumgut gelten soll. Bei dieser Frage scheiden sich die Geister.

Stellt eine Immobilie eine langjährige Investition dar, die sich gar als Altersvorsorge verstehen kann, oder ist sie mehr ein Zuhause, das man tagtäglich aufs Neue konsumiert? Diese Frage beschäftigt Ökonomen schon seit Langem, denn «Wohnen» ist ein komplexes Gut: Teils wird es als Investitionsgut und manchmal als Konsumgut betrachtet. Nachfolgend möchte ich Ihnen die zwei Standpunkte und deren Vertreter etwas näherbringen.

Investitionsgut

Fangen wir beim rein ökonomischen Beobachter an. Eine Investition ist ein strategischer Teil der Vermögensentwicklung. Eine Immobilie wird nicht nur benutzt oder bewohnt, sie wird auch als Vermögensanlage verwendet. Wie Tashi Gumbatshang von Raiffeisen Schweiz während der Veranstaltung «Real Estate Circle» der ZHAW Ende April 2021 erklärte, ist die Immobilie aus rein finanzieller Sicht nicht zwingend die beste Anlagemöglichkeit, die der Markt bietet. Sie ist illiquid und meistens noch fremdfinanziert. Das tatsächliche Risiko wird daher tendenziell unterschätzt. Sind Immobilien als Investitionsgüter also doch nicht so ideal?

Schauen wir weiter. Während der anhaltenden Tiefzinsphase hat sich der Fokus der Bauindustrie – durch den «buy-to-let»-Trend (kaufen, um zu vermieten) der letzten Jahre – stark vom Eigentumsmarkt in den Mietwohnungsmarkt verschoben. Es scheint also, dass sich einige grosse Akteure, die kontinuierlich und langfristig eine Rendite suchen, im Wohneigentumsmarkt ganz zu Hause fühlen. Ökonomisch betrachtet: Sie investieren in Immobilien. Hier wird Wohneigentum also klar als Investitionsgut definiert.

Konsumgut

Was bringt uns eigentlich dazu, im Zusammenhang mit unserem Wohneigentum von einem Konsumgut zu sprechen? Denken Sie bei Ihrem Wohneigentum in erster Linie an die Rendite? Oder ist Ihr selbst bewohntes Wohneigentum für Sie ein Zuhause? Ein Konsumgut ist ein Verbrauchsgut und wirft in der Regel keine Rendite ab. Wird eine Immobilie als selbst bewohntes Wohneigentum genutzt, sehen viele Eigentümer ihre Immobilie als Konsumgut, das sie täglich nutzen und somit auch konsumieren. Entsprechend bedeutet selbst bewohntes Wohneigentum mehr als nur Rendite. Es ist das Dach über dem Kopf, gibt die Möglichkeit, individuell und selbstständig zu sein – und verleiht vielleicht sogar Status. Die Natur eines Gutes kann durch mehr als nur finanzielle oder wirtschaftliche Faktoren bestimmt werden. So kann sich hinter einer Immobilie mehr verbergen als nur der Preis pro Quadratmeter – beispielsweise der emotionale Wert eines Zuhauses.

Fazit

Sieht man eine Immobilie als langfristige Anlage, die keine Negativzinsen, sondern sogar eine Rendite bringt, und die man – wenn möglich – zu einem günstigen Zeitpunkt Profit bringend verkaufen kann, dann ist sie für ihren Eigentümer ein Investitionsgut. Bewohnt man seine Immobilie jedoch selbst, fügt man ihr automatisch einen emotionalen Wert hinzu, der über die Jahre zunimmt. Die Möglichkeit, eine Immobilie als Investition zu bewirtschaften und eine andere als Konsumgut zu bewohnen, existiert selbstverständlich auch. Nutzen Sie aber aktiv die Vorteile beider Sichtweisen (Investitions- und Konsumgut), und seien Sie sich der jeweiligen Herausforderungen bewusst.

Konsum- oder Investitionsgut?

Die Frage soll sich auch schon der berühmte Ökonom Adam Smith gestellt haben, der zu folgender Quintessenz kam: «Kleider mögen mehrere Jahre halten, Möbel ein halbes oder ein ganzes Jahrhundert und ein Haus, gut gebaut und sorgfältig unterhalten, kann sogar Jahrhunderte überdauern. Aber trotz dieser langen Lebensdauer bleiben sie dennoch wie Kleider und Möbel echtes Konsumtivvermögen.» (Quelle: DZ HYP)